Erfahrung im Umgang mit Aggression und Gewalt
 
Aggressionen und Gewalt machen auch bei Menschen mit einer Beeinträchtigung nicht halt. Wie aber reagiert das Umfeld darauf? In einem Vortrag erfahren über 80 Interessierte die Aggressionsbewältigung.

 
Erhard Gick
 
Im Leben gibt es immer wieder Situationen, die beim Menschen Aggressionen hervorrufen. Nicht selten ist, dass dann der Aggressor auch beim Gegenüber einen ähnlichen Zustand heraufbeschwört. Angstzustände, Schweissausbrüche, Wut, Unkontrolliertheit sind Begleiterscheinungen. Auch bei Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung kann Aggressivität auftreten, oft sogar öfter als bei psychisch kranken Menschen.
In einem Vortrag von Lukas Wunderlich, einem Experten, erfuhren am Mittwochabend über 80 Teilnehmende, wie Aggression und Gewalt begegnet werden kann und wie man deeskalierend auf sein Gegenüber einwirken kann. Wunderlich ist ausgewiesener Sozialpädagoge, mit dem Fachgebiet psychosoziale Beratung mit Vertiefung auf Krisenintervention und Konflikte. Seit 2000 ist er in diversen sozialen Institutionen tätig und hat Lehraufträge an verschiedenen Bildungsinstitutionen.
 
Viele eindeutige Fragen und wenige eindeutige Antworten
 
«Aggression ist ein reaktiver, belastender Zustand, kognitiv und emotional, welcher zu einer deutlichen Veränderung des Aktivitätsniveaus und zu zielgerichteten oder ungesteuerten Handlungen führt, die dazu dienen, diesem Zustand Ausdruck zu geben», schilderte Wunderlich in den Räumlichkeiten der BSZ in Seewen. Demzufolge sei die Körpersprache ein wichtiger Faktor, um Krisensituationen zu erkennen und vorbereitet auf sie zuzugehen.

«Raum schaffen ist eine der wirkungsvollsten Massnahmen, um deeskalierend wirken zu können», erläuterte Lukas Wunderlich. Bei Aggression schaffe Raum die nötige Distanz, um deeskalieren zu können. Raum schaffe daher Reizreduktion. Auch die Körperhaltung des Gegenübers, die Nähe und Distanz zu regulieren, könne positiv wirken, genauso wie die Mimik, die Stimmlage, der Blickkontakt, Berührung oder keine Berührung oder die Körperstimulation.

«Dieser Vortrag hat im Umgang mit Menschen, die eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung aufweisen, einiges aufgezeigt. Er hilft betroffenen Fachpersonen, Eltern und Betreuern, Krisensituationen zu begegnen und sie auch zu bewältigen», sagte Andre Näpflin, Präsident des organisierenden Vereins insieme Innerschwyz. Am Vortrag, der vielmehr als Kurs zur Aggressions- und Gewaltbewältigung zu bezeichnen war, nahmen Eltern, Behindertenbetreuer und Fachpersonen aus dem ganzen Kanton teil. «Es ist erstaunlich, die deeskalierenden Vorschläge von Referent Lukas Wunderlich gelten auch für ganz normale Menschen», so Näpflin weiter.

Diesbezüglich sagte Wunderlich weiter, es sei auch wichtig, die Nachsorge nach einer Aggression oder einem Gewaltereignis wahrzunehmen. Für Eltern heisst dies, sich mit anderen Eltern, der Schule oder mit Fachstellen auszutauschen. Und Fachpersonen müssen solche Situationen im Arbeitsteam aufarbeiten, eventuell das Strukturverhalten anpassen etc. «Emotionale Entlastung ist wichtig», beteuerte Wunderlich.

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